Mumuth

Mumuth

Fakten

Projektzeit

11|2005 - 01|2009

Auftraggeber

Bundesimmobilien GesmbH

Straße

Leonhardstraße 15

PLZ

8010

Stadt

Graz

Land

Österreich

Leistungen

Projektsteuerung

Die Bundesimmobiliengesellschaft errichtet für die Kunstuniversität Graz das Haus für Musik und Musiktheater.

Entsprechend der Nutzung des Gebäudes als Theater und universitärer Lehrbereich wurde im architektonischen Konzept eine Verschränkung und Verschmelzung der dazugehörigen öffentlichen Bereiche im gemeinsamen Foyer angestrebt. Das Gebäude soll das Institut für Musiktheater beherbergen. Neben Professorenzimmer und Unterrichtsräumen gibt es 2 Proberäume mit ca 227 m² und einen Saal mit ca. 510 m² für Musiktheateraufführungen. Die Besonderheit dieses Saales ist, dass der Standort der Bühne im Saal beliebig gewählt werden kann. Die Zuschauerränge und Bühne können mit Hebebühnen die über die gesamte Saalfläche verteilt sind in verschiedenen Höhen und Formen gestaltet werden. Weiters besitzt der Saal aufgrund des flexiblen Standortes der Bühne über eine elektronische variierbare Akustik.

Neben dem Saal mit den besonderen Eigenschaften, ist das gesamte Gebäude im höchsten Maße schalltechnisch ausgestattet. Bei Lärm von 110dB in einem Unterrichtsraum darf in den anderen Unterrichtsräumen nur ein max. Lärmpegel von 35dB hörbar sein. Dementsprechend hoch sind in diesem Haus die Anforderungen an den Schallschutz. Sämtliche schalltechnisch anspruchsvollen Räume müssen für die Lüftung NR25-Qualität aufweisen. Weiters sind neben dem Saal auch die beiden Proberäume akustisch ausgestattet.

Eine weitere Besonderheit dieses Gebäudes ist die statische Konstruktion dieses Gebäudes. Ein Großteil der Räume, mit Ausnahme der Theaterbox in der sich der Saal die Montagegalerie und die Werkstatt befindet, besteht aus einer Stahl-Verbundkonstruktion. Die Stahl-Verbunddecke lagert auf rund um laufende Stahlsäulen, die außerhalb der Gebäudehülle angeordnet sind. Die andere Seite der Decke lagert auf der Theaterbox auf. Die Decke im Foyer spannt sich über die gesamte Gebäudebreite und wird in der Mitte noch durch den so genannten Twist gehalten. Dieser Twist ist eine schraubenförmige Skulptur, die als Stahlbeton-Verbundbaukörper hergestellt wurde und in die Theaterbox einbindet. Die Konstruktion des Twist und dessen Anbindung an die Theaterbox stellten an die Statik und Schalungstechnik höchste Ansprüche. Das Projekt Mumuth zeichnet sich von Anfang an durch eine äußerst komplexe Projektstruktur aus. Sämtliche Planungsgewerke wurden als Einzelauftrag vergeben. Der Architekt hat lediglich im Rahmen seiner technisch, geschäftlichen Oberleitung eine Koordinationsverpflichtung. Weiters stammt das Architektenteam aus Holland und hat keinen örtlichen Projektpartner. Alle übrigen Planungsbeteiligten stammen aus dem Raum Graz. Die Ausschreibung wurde vom Architekten an ein österreichisches Büro in Wien vergeben. Durch die örtliche Entfernung war eine Kommunikation wärend der Planungsphase äußerst schwierig und aufwendig. Zusätzlich erschwert wurde der Planungsablauf durch den Planstopp im Jahr 2003 verursacht durch ein Baubewilligungsverfahren, dass bis zur letzten Instanz Verfassungsgerichtshof getragen wurde. Nach endgültiger Bestätigung des Verfassungsgerichtshofs erlangte die Baubewilligung Rechtskraft. Erst dann konnte im Dezember 2005 die Realisierungsentscheidung durch den Bund getroffen werden.

Nach einem dreijährigen Planungsstopp mussten die Planungsarbeiten wieder aufgenommen und fertig gestellt werden. Während dieser Zeit haben sich Normen und Vorschriften zum Teil wesentlich geändert und eine Anpassung der Planung auf den aktuellen Rechtsstand zeigte sich unumgänglich. Vor allem sollte im April 2006 mit der Ausführung begonnen werden. Da die Nachführung der Planung und Konkretisierung der Detailplanung wesentlich mehr Zeit in Anspruch nahm, musste für dieses Projekt eine projektbegleitende Planung mit allen Nachteilen und Schwierigkeiten betrieben werden.

Eine weitere Problematik ergab sich durch die Budgetsituation. Ursprünglich sollte das Mumuth als herkömmlicher Verwaltungsbau geplant werden. Schon früh hat der Nutzer (KUG) diverse Verbesserungsmaßnahmen gefordert. Für diese Verbesserungsmaßnahmen war ein Zusatzbudget vorgesehen, dass aber erst im Dezember 2005 bewilligt wurde. Diese Zusatzforderungen mussten daher auch bei der Aktualisierung der Planung implementiert werden. Dies erforderte große Anstrengungen bei der Budgetplanung und Flexibilität bei allen Beteiligten. Zu diesen Randproblemen gesellt sich als weiterer Schwierigkeitsfaktor die Konstruktion des Gebäudes. Die vorwiegend statischen Probleme wurden mit dem Einsatz eines Prüfstatikers gelöst. Schließlich sollte in der vornehmlich mit Stahlverbundsystem hergestellten Konstruktion ein Bauwerk entstehen, dass hohen Anforderungen in Schallschutz und Akustik in fast allen Räumlichkeiten standhält. Nach Fertigstellung dieses Gebäudes erhält die KUG eine Spielstätte, die im Bezug auf äußeres Erscheinungbild technischer Ausstattung und Schwierigkeit bei der Umsetzung ihresgleichen in Österreich suchen muss.

Fotos: © Pez Hejduk